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Was grünt denn da? Moose und Flechten
Am 29. Dezember 2024 verstarb Helen Hilfiker, die erste Präsidentin in der über 150-jährigen Geschichte der Thurgauischen Naturforschenden Gesellschaft. Ihr Leben widmete sie ihrer Familie, der Gesellschaft, der Politik und den Naturwissenschaften – insbesondere der Biologie – mit besonderer Hingabe zum Unscheinbaren: den Moosen und Flechten.

Jürg Vetterli
Vorstandsmitglied TNG
Helen Hilfiker wuchs in St. Gallen auf und studierte an der ETH Zürich an der Abteilung für Naturwissenschaften. Nach dem Diplom arbeitete sie als Assistentin am Institut für Allgemeine Botanik der ETH, wo sie ihre Dissertation verfasste und 1961 mit Auszeichnung abschloss. Anschliessend war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der EMPA St. Gallen und erforschte später am Institut für Tierzucht der ETH den Zusammenhang zwischen Blutgruppen und Leistungsmerkmalen bei Geflügel. Dabei entdeckte sie ein Vitalitätsgen, das auch beim Menschen von Bedeutung ist.

Helen Hilfiker 1933–2024
Aufnahme Anfang 2000er-Jahre, Archiv Familie Hilfiker
Familie und Aufenthalt in Peru
1963 heiratete sie Jakob Hilfiker. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. 1971 zog die Familie nach Peru, wo ihr Mann ein Entwicklungsprojekt der Eidgenössischen Entwicklungszusammenarbeit (DEZA) leitete. Helen Hilfiker übernahm die statistische Auswertung von Viehzuchtversuchen an der Universität Ayacucho und unterstützte zugleich die floristische Erforschung der Anden. Dabei entstand ein Herbar mit über 2000 Belegexemplaren von Pflanzen der Hochanden.
Rückkehr in die Schweiz und Tätigkeit im Thurgau
Mit inzwischen schulpflichtigen Kindern kehrte die Familie in die Schweiz zurück, zunächst in den Kanton Aargau und 1978 schliesslich in den Thurgau. Hier setzte Helen Hilfiker ihre botanische Forschung fort und untersuchte die Flechten- und Moosflora der Region. Ihre Studien führten zu mehreren Publikationen über die Moos- und Flechtenflora des Kantons Thurgau. Am Naturmuseum Thurgau betreute sie das Herbarium für Moose und Flechten. Besonders bemerkenswert war die Einrichtung des Flechtenpfads im Basadinger Wald im Jahr 2000, der auch international Beachtung fand. Da ein solcher Pfad im Wandel der Natur lebt, aktualisierte sie ihn 2014.
Engagement in der Thurgauischen Naturforschenden Gesellschaft
Im Frühjahr 1981 wurde Helen Hilfiker in den Vorstand der TNG gewählt, wo sie die Exkursionen betreute. 1993 übernahm sie als erste Frau das Präsidium unserer Gesellschaft – ein Meilenstein in der über 170-jährigen Geschichte der Gesellschaft. Während ihrer achtjährigen Amtszeit veränderte sich, der allgemeinen Entwicklung folgend, die Arbeitsweise im Verein grundlegend: Briefpost, Schreibmaschine und Fax wurden allmählich vom Computer abgelöst. In ihrem letzten Präsidialjahr entstand die erste Website der TNG, und Einladungen zu Vorstandssitzungen wurden fortan per E‑Mail versandt. Um das Präsidium zu entlasten und für Nachfolger attraktiver zu gestalten, initiierte sie die Bildung von Ressorts innerhalb des Vorstands. 2002 übergab sie das Amt an ihren Nachfolger, Hubert Frömelt.
Politisches Engagement
Neben all diesen Tätigkeiten wirkte Helen Hilfiker von 1990 bis 1999 als Mitglied des Gemeinderates in Frauenfeld und brachte auch dort ihre Kompetenz und ihr Engagement für die Gemeinschaft ein. Helen Hilfiker bleibt der TNG als Forscherin, Präsidentin und Mitglied in dankbarer Erinnerung. Sie hat bleibende Spuren hinterlassen.