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Als 1889 in der Ostschweiz die Erde bebte

Die TNG-Mit­­tei­­lun­­gen erschei­nen seit 1857. Die­se Rubrik stellt älte­re Bei­trä­ge vor, die dar­in erschie­nen sind. In die­ser Aus­ga­be ist es ein Arti­kel über ein Erd­be­ben von 1889.

Hannes Geisser

Bio­lo­ge,
Redak­tor TNG

Autor des Bei­tra­ges ist Cle­mes Hess (1850–1918). Hess stu­dier­te Mathe­ma­tik und Phy­sik am Eid­ge­nös­si­schen Poly­tech­ni­kum in Zürich und unter­rich­te­te ab 1877 an der Kan­tons­schu­le Frau­en­feld. Er war auch als For­scher aktiv und Mit­glied der Eid­ge­nös­si­schen Erd­be­ben­kom­mis­si­on. Als am 7. Janu­ar 1889 in der Ost­schweiz die Erde beb­te, wid­me­te er die­sem Ereig­nis einen Arti­kel, der 1890 in Band 9 der Mit­tei­lun­gen erschien.

Ein Erd­be­ben als For­schungs­feld
Hess trug 297 Berich­te zusam­men aus Zei­tun­gen, aber auch von Pri­vat­per­so­nen unter­schied­lichs­ter sozia­ler und beruf­li­cher Stel­lung. So lis­tet er u.a. «Leh­rer und Pro­fes­so­ren, (…), Schnei­der, Hut- und Uhren­ma­cher, (…), Litho­gra­phen oder Gemein­de­schrei­ber» auf. Auch «20 Fräu­lein und Frau­en» wer­den erwähnt. Sei­ne Nach­for­schun­gen rei­chen bis ins süd­deut­sche Baden und Würt­tem­berg und nach Ita­li­en. Zum Epi­zen­trum oder zur Stär­ke des Bebens macht er kei­ne Anga­ben (gemäss Rich­­ter-Ska­­la hat­te es eine Stär­ke von 4,3). Opfer waren kei­ne zu bekla­gen. Hess erwähnt aber den einen oder ande­ren Gebäu­de­scha­den, erschreck­te Men­schen und Tie­re und ein Geräusch «wie wenn eine gewal­ti­ge Schnee­mas­se vom Dache gerutscht wäre».

Umschlag­sei­te des Mit­tei­lungs­ban­des aus dem Jahr 1890, in dem der Bei­trag von Cle­mens Hess abge­druckt ist.

Akri­bisch, sorg­fäl­tig – und schnell
Hess ist es wich­tig, «die Ergeb­nis­se der Unter­su­chung so anzu­ord­nen, (…) dass auch der Laie sich mit mög­lichst wenig Mühe ein Bild über das Wesen und den Ver­lauf des Natur­er­eig­nis­ses zu ver­schaf­fen im Stan­de sein wird (…).» Aus heu­ti­ger Sicht bemer­kens­wert ist das Tem­po, das Hess dabei an den Tag leg­te: Zwi­schen dem Beben und der Publi­ka­ti­on sei­nes über 80-sei­­ti­­gen Arti­kels lie­gen nur fünf Mona­te.