maga­zin
thur­gaui­sche
natur­for­schen­de
gesell­schaft

Boden ist nicht gleich Boden

Die­se rund 100 Jah­re alten Käst­chen von Boden­ar­ten gehör­ten dem ers­ten amtie­ren­den Kul­tur­in­ge­nieur des Kan­tons Thur­gau.

Barbara Richner

Kul­tur­wis­sen­schaf­te­rin,
Samm­lungs­ku­ra­to­rin
Natur­museum Thur­gau

Albert Weber (1881–1960) lei­te­te ab 1908 bis 1945 das neu geschaf­fe­ne kan­to­na­le Melio­ra­ti­ons­amt. In bei­den Welt­krie­gen war die Stei­ge­rung der Lebens­mit­tel­pro­duk­ti­on zen­tral und erreich­te 1941 im vom Bun­des­rat ver­füg­ten «aus­ser­or­dent­li­chen Melio­ra­ti­ons­pro­gramm», der so genann­ten Anbau­schlacht, einen Höhe­punkt. Boden­ver­bes­se­run­gen soll­ten einer­seits eine Ertrags­stei­ge­rung und ande­rer­seits Arbeits­er­leich­te­run­gen brin­gen. Zu Webers Auf­ga­ben gehör­te des­halb, die Land­wir­te mit Metho­den zur Boden­ver­bes­se­rung bekannt zu machen.

Anschau­ungs­ma­te­ri­al zur Boden­ver­bes­se­rung
Das Natur­museum Thur­gau ist im Besitz der Ver­gleichs­samm­lung Albert Webers mit ver­schie­de­nen Boden­ar­ten. Die 19 Käs­ten dien­ten ihm wohl zu Demons­tra­ti­ons­zwe­cken. Jeder Kas­ten stellt eine Boden­art mit Pro­ben aus drei unter­schied­li­chen Tie­fen vor, denn ver­schie­de­ne Böden haben einen ver­gleich­ba­ren Grund­auf­bau aus ver­schie­de­nen Schich­ten. Die Abfol­ge und Cha­rak­te­ri­sie­rung die­ser Schich­ten bil­den das Kri­te­ri­um zur Bestim­mung eines Boden­typs. Beschil­dert sind die Käs­ten hand­schrift­lich mit der Boden­art, dem Fund­ort und der Zuord­nung zu ihrem Ent­ste­hungs­zeit­raum in der Erd­ge­schich­te – eben­so, für wel­che Bepflan­zung die jewei­li­ge Boden­art sich eig­net.

Fünf der ins­ge­samt 19 Holz­kis­ten aus der Boden­pro­ben­samm­lung von Albert Weber. Bild: Natur­museum Thur­gau

Albert Weber als akti­ves TNG-Mit­glied
Noch im Jahr sei­nes Amts­an­trit­tes trat Albert Weber der Thur­gau­ischen Natur­for­schen­den Gesell­schaft bei und war ab 1912 für mehr als zehn Jah­re im Vor­stand tätig. Über die­se Ver­bin­dung kam die Samm­lung mit den Boden­ar­ten ins Natur­museum. Im Ers­ten Welt­krieg lei­te­te Weber die Koh­­len- und Torf­kom­mis­si­on der TNG, die mit der Unter­su­chung der ein­hei­mi­schen Boden­schät­ze beauf­tragt war. 1949 erhielt er vom Regie­rungs­rat den Auf­trag zur Unter­su­chung der Grund­was­ser­vor­kom­men im Thur­tal. Sei­ne Arbeit blieb bis in die 1970er-Jah­­re die Grund­la­ge für die dor­ti­ge Grund­was­ser­nut­zung.